Archiv für die Kategorie 'Aufreger'

Öffentliche Empörung

Martina am 7. Oktober 2021

Am Beispiel des vor wenigen Tagen in einem Leipziger Hotel internationaler Couleur antisemitisch beleidigten Sängers lässt sich mMn exemplarisch Gruppendynamik in sozialen Medien darstellen:

Der Sänger nimmt abends ein Video auf, in dem er berichtet, dass ihm unmittelbar zuvor in einem Hotel aufgrund des tragens eines Davidsternes der Checkin verwehrt wurde. Er ist – verständlicherweise – emotional mitgenommen und wirkt für mich zu 100 Prozent glaubwürdig.

Dass er nicht sofort alle umstehenden befragt oder um Zeugnis gebeten hat, dass er nicht umgehend Strafanzeige gestellt hat – jede/r, der/die ihm das im Nachhinein vorwirft, sollte erst einmal in sich gehen, und sich selbst fragen, ob er/sie in so einer Situation schon einen exakten Plan gehabt hätte, was in welcher Reihenfolge zu tun sei. Als Aussenstehende/r kann man nämlich immer weise schwafeln …

Aber davon ab: das Video geht am nächsten Tag online und viral, ich bekomme es als erstes bei Twitter mit.
Die Solidarisierungswelle rollt an, die Empörungswelle noch mehr. Man verlangt Aufklärung, Stellungnahme und Konsequenzen vom Hotel.
Das rührt sich über mehrere Stunden nicht.
Die Menge macht Druck, die Google-Rezensionen rauschen aufgrund vieler 1-Stern Bewertungen mit Bezug auf Antisemitismus in den Keller. Die Worte, die manche, viele, dabei finden, sind schon sehr pauschal und in Bausch und Bogen aburteilend.
Das Hotel schreibt nachmittags eine erste Stellungnahme, u.a. dass man versuche, mit dem Sänger Kontakt aufzunehmen.
Das Management des Sängers schreibt: neee, Leute, heute nicht.
Die Facebook-Seite des Hotels wird gestürmt, und, ich weiss nicht mehr, ob am selben oder nächsten Tag, geht irgendwann offline.
Alle Medien berichten.
Das Hotel hat 2 Mitarbeiter beurlaubt.
Abends findet eine Soli-Kundgebung vor dem Hotel statt, Hotelmitarbeiter/-innen recyceln ein Plakat mit der jüdischen Flagge und dem türkischen Halbmond, werden dafür (mMn zu Recht) kritisiert. Auf dieses „Statement“ angesprochen, wenden sie sich ab und gehen zurück ins Hotel.
Ich persönlich bin mir noch unsicher, ob das Ausdruck von Hilflosigkeit, Nichtwissens, Angst um den Job (immerhin wird mancherorten gefordert, man möge nicht nur den Mitarbeiter, sondern am besten gleich das ganze Hotel in Schutt und Asche legen), von oben aufgezwungen oder nur grottenschlechte Unternehmenskommunikation ist.

Der Sänger ist immer noch nicht erreichbar, was einerseits sein gutes Recht ist, andererseits zu komischen Spekulationen führt, s.o.
Die Google-Bewertung des Hotels ist von gut auf „naja“ abgerutscht, obowhl man bereits angefangen hat, diese wieder löschen zu lassen.

Die ersten Relativierer tauchen auf, die ersten „warum hat keiner geholfen, hat er gelogen, will er Aufmerksamkeit, muss er was verkaufen“ und haste nicht gesehen böswilligen Annahmen sind dabei.

Am nächsten Tag steigert es sich von solchen Fragen, oder besser Unterstellungen, zu weiteren Schmähungen, man schweift mal schnell zu links und rechts ab, alle (anderen) sind schuld, am offensichtlichsten aber der Sänger selbst.
Ausserdem hat er nicht so reagiert, wie die meisten der „ich weiss sowieso alles besser“ Fraktion sich das gewünscht hätten.

Ein Mitarbeiter des Hotels dreht quasi den Spiess um und zeigt den Sänger wegen Verleumdung an. Ausserdem schickt er noch eine Anzeige wegen anonymer Bedrohung hinterher, der pöbelnde Mob hat anscheinend seine Identität ausfindig gemacht.

Inzwischen überwiegen bei Twitter die Kommentare, die lieber verbal auf den Sänger eindreschen, als auf das Hotel und seine(n) Mitarbeiter.

Die negativen Bewertungen bei Google für das Hotel sind vollständig eliminiert, plötzlich ist wieder alles Friede, Feuer, Eierkuchen.
Also auf den ersten Blick. Schaut man sich die verbliebenen, „echten“ Rezensionen an, ist in diesem Hotel beileibe nicht alles gold, was glänzt, und das Beschwerdemanagement oder der Umgang mit solcher Kritik, so – ich sag‘ mal – auf dem Niveau, hauptsache, wir haben „irgendwie“ reagiert, der Rest ist mir wumpe und bis nächste Woche sowieso alles vergessen.

Apropos vergessen, natürlich wurden bereits wieder neue Themen mit entsprechendem Empörungspotential rauf- und runtergespielt.

Mein Fazit:
– Solidarität im Nachhinein: oft für’n Arsch
– öffentliche Empörung der Masse: viel zu rigoros (à la Lynchmob), um sie ernst nehmen zu dürfen

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Du kommst hier nicht rein

Martina am 1. Juni 2021

Bin gerade hochgradig genervt von einem Consumer Panel.
Seit Jahren dort angemeldet lasse ich meine Surftouren verfolgen. Mit dem „neuen“ iPad und iPhone fing es an zu haken, ich glaube, die sind damals technisch beim iPhone 8 stehen geblieben. Auf ein neues Gerät wechseln konnte ich also nicht, meine Supportanfragen über die App wurde einmal – halbherzig – mit Verweis auf ein Standardprozedere beantwortet, was das Problem nicht löste und blieben fortan unbeantwortet.
Immerhin, Laptop bzw. Computer blieben aktiv.
Aus irgendeinem Grund habe ich mich heute im Panel eingeloggt. Achja, ich wollte mal gucken, wie es um meine Prämien/Punkte bestellt ist, da ich keine Benachrichtigungen mehr erhalten habe.
Erst konnte ich mich nicht einloggen, neues Passwort musste her. Dann sollte ich Fragen über die weiteren Haushaltsmitglieder beantworten, eines war doppelt drin, ein anderes verstorben. Entfernen dieser Profils wurde mit Fehlermeldungen quittiert, Beantwortung der Fragen des unvollständigen Profils eines Mitgliedes konnte ebenfalls nicht gespeichert werden, Fehlermeldung.
Also schrieb ich den Support über das Kontaktformular an.
Wenige Minuten später erhielt ich: unautorisierter Absender, Ihre Mail wurde nicht angenommen.
Dann wollte ich wenigstens mal bei meinem Prämienkonto gucken, auf der Profilseite stehen sowohl mobile Geräte als auch PC als kürzlich noch aktiv.
Allein, ins Prämienkonto einloggen geht auch nicht, „dieser User existiert nicht“.
Anderen Browser versuchen? Nö, hier darf ich den URL nicht mal mehr aufrufen, sondern werde sofort auf eine „verpiss dich“ Seite umgeleitet.
Zurück zum ersten Browser kann ich mich hier ebenfalls nicht mehr einloggen, da der User angeblich nicht existiert.
Ihr wollt mich doch verarschen, oder?

Und ja, jetzt bin ich angepisst. Und zwar sehr.

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Von Krise zu Krise

Martina am 4. Mai 2021

Ihr kennt den Spruch „Ich krieg‘ die Krise“. Irgendjemand hat das zu oft herausgefordert. Jetzt kriegen wir alle die Krise. Täglich. Auch ohne es zu wollen.
Obwohl. Bei manchen vermute ich, dass sie gerne im Krisenmodus leben.
Andernfalls würden sie doch alles daran setzen, aus der Krise wieder herauszukommen. Oder nicht?
Vielleicht lieben sie die Krise, weil man da so ungeniert – oft sogar ungestraft – über alles und jede kübelweise Mist ausschütten kann. Echauffieren als aufregendes Moralerlebnis.

Euch möchte ich gerne ein „Herrschaftszeiten, jetzt reisst’s euch mal zusammen!“ dalassen.

PS: Man ersetze aktuell „Krise“ durch „Pandemie“.

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Soziale Medien sind die Pest

Martina am 8. März 2021

Na, hat euch die Überschrift hergelockt?
Ich konnte sie mir einfach nicht verkneifen und entschuldige mich dafür, hier einen „bild“-mässigen Honeypot verwendet, gar bewusst gelo-, übertrieben zu haben.
Natürlich sind nicht die sozialen Medien pestilent, sondern die Leute, die überall ihren unqualifizierten, stereotypen Sermon hinterlassen. Etwas, was mir an Twitter ganz besonders missfällt. Bei grossen und offiziellen Accounts, besonders solchen, die sich mit Politik und Gesellschaft befassen, kann man mitunter die Kommentare gleich ausblenden, weil quasi Sekunden nach einem Tweet bereits jemand Häme und „ja,aber-“ Kommentare, möglichst ohne Satzbau und Rechtschreibung, reingekotzt hat.
Ich habe den Verdacht, dass Twitter genau dafür die Funktion implementiert hat, mit der man Kommentierende auswählen bzw. ganz ausschliessen kann.
Und manchmal, oft, wünschte ich mir, diese Accounts hätten den Mut, das auch mal einzusetzen.
Und nein, man muss sich nicht jeden Furz vor die Nase setzen lassen, es gibt Grenzen im Diskurs, und wer die (permanent) überschreitet, der sollte wenigstens eine Weile mal draussen bleiben.
Wobei ich ja eigentlich befürchte, dass da ein paar Skripte unterwegs sind, die einfach auf Stichwort losgelassen werden. Mit denen muss man sich aber erst recht nicht auseinandersetzen.
Wann erfindet mal jemand ein Gegenskript, also Algorithmen, um die Robots zu erkennen und automatisch zu melden/blocken/rauszuwerfen?
Für jeden Scheiss gibt es inzwischen dieses Captcha-Kram, wo man erst Fliegendreck auf unscharfen Bildern identifizieren muss, um in seinen eigenen Account zu gelangen. Wenn man das bei Twitter und Co. ebenfalls einführte, könnten die „ich habe 1000e Accounts, ich mach dich fertig, weil mir deine Nase nicht passt“ doch wenigstens ein bisschen mehr an den Rand gedrängelt werden.
Einmal am Tag eine Aufgabe vor den Login bauen, die von Otto-Normal-Schwurbler nicht zu lösen ist – das sollte erstens nicht schwer und zweitens recht effektiv sein.

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Gewöhnungssache

Martina am 9. Dezember 2020

Manche Gewöhnung ist gut, z.B. die an die Masken.
Allerdings: Die meisten haben immer noch eine OP-Maske vor dem Gesicht hängen, und wenn die tatsächlich bis über die Nase reicht, ist es schon super. Die Atemluft strömt mit diesen Masken ungehindert an den Seiten raus und wenn in dieser Jahreszeit die Brille beschlägt, dann habt ihr den Beweis dafür, dass das Ding auch „oben rum“ nicht richtig sitzt.
Es sollte tatsächlich eine Verordnung geben, dass man durch die Bank „richtige“ Masken aufzusetzen hat, die dicht abschliessen und auch eine Filterfunktion haben.

An der Gewöhnung ans gründliche Hände waschen und an den einzuhaltenden Abstand müssen wir dagegen noch arbeiten.
Gestern erst sah ich eine junge Frau auf einer öffentlichen Toilette, die sich wie eh und je die Hände mal kurz unter dem kalten Wasserstrahl abschüttelte. Liebe Schweinchen da draussen: mangelnde Hygiene war schon immer ein Scheissverhalten, und jetzt ist es noch eine Stufe schlimmer, also reisst euch gefälligst zusammen und gewöhnt euch. Kann doch nicht so schwer sein.

Abstand ist auch so eine Sache, und ich vermute, die mangelnde Wirkungskraft des zarten Lockdowns, den wir hier haben, hängt eng damit zusammen. Viele denken tatsächlich, habe ich einen Fetzen Stoff egal welcher Qualität vor dem Mund hängen, brauche ich keinen Abstand mehr einzuhalten. Weit gefehlt, liebe Sozialversager, weit gefehlt. Guckt euch die Totenzahlen an, allein gestern 590 Tote. Und dann überlegt noch einmal, ob ihr nicht endlich euer verficktes Verhalten ändern könnt.

Und euch daran gewöhnen, dass uns die Pandemie noch mindestens ein Jahr begleiten wird.

PS: Heute morgen war ich zur jährlichen Grippeimpfung, der Impfstoff war endlich geliefert worden. Leider hat sich in der Praxis auch ein gewisser Schlendrian eingeschlichen. Wo man im Frühjahr noch persönlich unter Ankündigungsrufen durch die Gänge geschleust wurde, durfte ich mich heute frei bewegen, und es hat auch niemanden gestört, wenn der Ein- bzw. Ausgang durch Patienten blockiert wurde, die sich keinen Schritt zur Seite bewegten, um Abstand zu schaffen.
Da ich in weiser Voraussicht mein Urbandoo mit FFP3-Filter umgeschnallt hatte, habe ich mir am Ende herausgenommen, mich neben der beleibten Dame nach draussen durchzuquetschen …

Allen, die nur sich selbst sehen, möchte ich an dieser Stelle trotzdem ein herzhaftes „FCKU“ dalassen.

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A-H-A

Martina am 15. Oktober 2020

AHA sollte das Wort des Jahres werden, ich schwör‘.

Steht für Abstand halten, Hände waschen, Alltagsmaske aufsetzen, Verhaltensweisen, an die sich jede/r mit halbwegs sozialem Gewissen halten sollte.

1. Stellt euch doch einmal vor, wie es wäre, wenn sich niemand unbotmässig auf die Pelle rückt. Die Einhaltung des Personal Space ist übrigens etwas, was uns quasi in die Wiege gelegt wird, und nur Leute mit einem persönlichen Defizit können den personal space weder einhalten noch respektieren.

2. Hände waschen gehört zu den grundsätzlichen hygienischen Massnahmen, die nicht nur in Zeiten einer Pandemie essentiell wichtig sind. Habt ihr Deppen das denn immer noch nicht gelernt?

3. Alltagsmaske, die einzige Massnahme, die „neu“ ist. Aber notwendig, vor allem, wenn Punkt 1. nicht eingehalten wird. Maske (richtig!) aufsetzen stört nur, wenn man sich aus irgendeinem Grund dagegen wehren zu müssen meint. Wer das ganze positiv angeht – ich schütze andere Menschen/meine Liebsten – hat damit normalerweise kein Problem bzw. sich längst daran gewöhnt und empfindet die Maske gar nicht mehr als besonders einschränkend oder störend.

Und nun stellt euch vor, diese Verhaltensweisen würden von allen umgesetzt werden.
Wir hätten:
– keine oder nur verschwindend geringe Neu-Infektionen
– keine oder nur verschwindend geringe Todesfälle
In der Folge:
– könnten alle Geschäfte geöffnet bleiben
– die Wirtschaft würde nicht einbrechen
– KiGas, Schulen und Unis müssten nicht schliessen
– Feiern im Familienkreis wären kein Problem
– Veranstaltungen unter Beachtung der Hygieneregeln wären möglich
– Reisen wären möglich
– und und und

Also mal ganz ernsthaft gefragt: wieso kommen die Schwurbler und Ignoranten darauf, dass sie das Recht haben, über die Gesundheit, Freiheit und sogar das Leben von ihren Mitmenschen hinwegzutrampeln?
Selbst wenn sie die Pandemie leugnen, gebietet schon das normale Zusammenleben Punkt 1 und 2 einzuhalten, weil das seit Jahrhunderten Konsens ist. Wenn man nicht gerade erst aus der Höhle gekrochen ist …

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Alles Gewöhnungssache

Martina am 2. September 2020

Es gibt da so ein paar wenige (obwohl sie permanent behaupten, viele und/oder gar „wir“ zu sein), die sehen im tragen eines Mundnasenschutzes einen Eingriff, in ihre Freiheit, in die Grundrechte, in whatever.
Am liebsten sind mir diejenigen, die Kinder nach vorne schieben, über Kindesmisshandlung zetern und ihre Brut anschliessend auf Demos schleifen, um sich mitten ins Getümmel zu stürzen.
Diese Kinder tun mir mehr leid, als solche, die (oft sogar freiwillig) ein Läppchen vor Mund und Nase tragen, weil sie gerne ihre Freunde und Freundinnen schützen wollen.

Leute, wenn ihr das Mittelalter zurück haben wollt, wandert aus, gründet auf einer einsamen Insel euren eigenen Staat, lebt, wie ihr wollt, aber geht mir nicht mit eurem Mist auf den Sack.
Eure Meinung ist nicht massgebend, da ihr in der Minderheit seid, ergo habt ihr euch der Mehrheit unterzuordnen. Oder zu gehen.
Laut herumzukrakelen, andere zu beschimpfen, andere Meinungen niederzubrüllen oder anderen eure (abstrusen) Vorstellungen aufzwingen zu wollen, ist grosse Kinderkacke.

Zurück zur Maske, an der sich alle aufreiben: sie schützt, also setzt sie auf, wenn ihr euch in geschlossene Räume begebt, die nicht zu eurer Wohnung gehören. Das ist eine minimale Einschränkung, die zeitlich begrenzt ist, aber viel bewirkt.
Seit Mai trage ich jetzt regelmässig Maske (mit FFP2-Filter inwzischen), z.B. beim einkaufen, und habe mich schon so daran gewöhnt, dass ich sie gar nicht mehr merke.
Wenn man keinen Sport damit betreiben muss – obwohl man sich bestimmt auch daran gewöhnen könnte, es gibt genug Sportler, die z.B. in Höhenluft trainieren, um effektiver fit zu werden – ist das überhaupt kein Problem.
Also hört auf zu jammern und tut lieber was für die grosse Gemeinschaft, als euer unsägliches „Ich Ich Ich“ zu skandieren.

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Schande über die Bande

Martina am 3. August 2020

Das vergangene Wochenende bzw. die Berichterstattung liess mich quasi in einem dauerhaften Zustand des „was geht denn hier ab?“ zurück.
Normalerweise versuche ich, für alle Verhaltensweisen irgendwie nachvollziehbare Gründe zu finden, aber was diese Demonstrierenden in Berlin abgezogen haben, entzieht sich jedes Versuches.
Leben in einer Parallelwelt ist noch die freundlichste Umschreibung, die ich dafür finde.
Ob es mangelnde Intelligenz ist, die diese Leute dazu treibt, alle gebotene Vorsicht, Rücksicht, Einsicht und überhaupt alle -sichten fallen zu lassen?

Auf jeden Fall ist es eine grobe Verantwortungslosigkeit, und wenn ich dann noch lesen muss, dass angeblich für Freiheit Demonstrierende andere Menschen am Rande der Demo bedrängen, beschimpfen, tätlich angreifen und zwingen wollen, ihren Mundnasenschutz abzunehmen, dann hört es echt auf.

Eure verfickte Freiheit soll mehr wiegen als die Freiheit anderer?
Ihr wettert gegen den Lockdown, habt Angst um eure Pfründe, werdet aber den nächsten Lockdown mit Sicherheit mit verursachen? Damit es uns allen so richtig schlecht geht, oder was ist das Ziel?
Ihr leugnet das Virusgeschehen und nehmt billigend in Kauf, dass andere wegen eures Verhaltens krank werden, vielleicht lebenslang leiden und evt. sogar sterben? Sagt mal, habt ihr völlig den Verstand verloren?

Die anderen sollen euren Bockmist ausbaden, weil ihr nicht für 5 Minuten an Konsequenzen denkt, die euer Handeln haben könnte? Wenn ihr 12 wärt, in der Pubertät stecktet und damit unter chemischem Ungleichgewicht im Hirn leiden würdet, dann vielleicht, aber ihr wollt erwachsen sein, gell? Dann verhaltet euch wie Erwachsene, wie verantwortungsbewusste Erwachsene, nicht wie nörgelnde Kleinkinder.
Schande über euch und euresgleichen. Die Verachtung, die ihr für andere Lebewesen habt, möge zu euch zurückkommen.

Ehrlich, wer sich wegen eines Stück Stoffs vor dem Gesicht in seiner Freiheit bedroht fühlt, der hat echt einen an der Waffel. Rücksicht, die Bedeutung dieses Wortes habt ihr nicht begriffen, fürchte ich.

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Automatische Werbung

Martina am 3. Juni 2020

Uff, jetzt habe ich mal die automatische und angeblich optimierte Werbeanzeigengestaltung von Google ausprobiert, aber ich befürchte, das muss ich ganz schnell wieder abschalten.

1. Obwohl ich die Anzahl inzwischen auf das absolute Minimum reduziert habe (leider ist das nur ein nichtssagender Slider, wieviele Anzeigen die Position des Sliders tatsächlich bedeuten, ist nicht herauszufinden, vielleicht ist es auch nur ein spielerischer Gag, der gar keinen Einfluss hat), erscheinen auf der Blogseite immer 7 Werbeblöcke.

2. Die Werbeblöcke erscheinen mitten im Post, haben aber mit dem Inhalt desselben überhaupt nichts zu tun.
Oder habe ich jemals irgendwo irgendwas über Ohrenschmalz geschrieben? Ernsthaft, Ohrenschmalz? Versehen mit einem wunderbaren äh ekelhaften Bild, das ein Riesenohr zeigt, aus dem just ein riesiger, gelber Wurm Ohrenschmalz gezogen wurde?

Ich werde das wieder abschalten, was zu ekelig ist, ist zu ekelig.

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Lockerungsübungen

Martina am 11. Mai 2020

Wir haben uns am vergangenen Wochenende auch gelockert, allerdings waren wir, soweit es geht, vorbereitet: die Gesichtsvermummung mit auswechselbarem Filter war eingetroffen, zusätzlich hatte ich noch Einmalhandschuhe für uns gekauft.

Am Donnerstag ging es probehalber zum Optiker, eine neue Brille für den Stiefvater musste her. Wir sassen im Auto und suchten den Brillenausweis, darüber vergass der Stiefvater die Maske, auf halbem Weg zum Geschäft hiess es also umkehren, Maske holen und über die Ohren pfriemeln, neben Hörgerät und Brille ist da nur noch erstaunlich wenig Platz für die Schlaufen.
Im Geschäft lief es gesittet ab, wir waren die einzigen Kunden – hatten natürlich ordnungsgemäss einen Termin ausgemacht, desinfizierten sofort die Hände und behielten brav das Läppchen vorm Mund.
Die Optikerin musste dann aber doch im Gesicht rumfummeln (sie trug keine Handschuhe), als sie neben dem Sitz der Probebrille auch den des Hörgerätes korrigierte.

Am Samstag stand erst der Wechsel Winter- zu Sommerreifen am stiefväterlichen Auto an, Maske auf war diesmal kein Problem, es ging auch relativ schnell. Bezahlt wurde mit Karte, das tippen der Geheimzahl auf dem Display war diesmal der Knackpunkt, wir hatten die mitgenommenen Handschuhe noch nicht übergestreift.
Die gab es dann zum einkaufen im nahegelegenen Kaufpark. Desinfektion von irgendwas, was dutzende von Leuten vorher begrabbelt hatten, war nämlich Fehlanzeige. Ausserdem: hier den Abstand einzuhalten, obwohl es die allerwichtigste Regel im Kampf gegen die Ansteckungsgefahr ist, war wie immer von nicht leicht bis unmöglich. Ich hätte manchen Deppen echt in den Hintern treten können, wenn mein Bein lang genug gewesen wäre. So blieb mir nur, erstens den Stiefvater immer wieder zu ermahnen (es war schliesslich sein erster „Ausgang“ seit mehr als sieben Wochen) und selbst auf Abstand zu achten, böse Blicke halfen leider nicht. Das einkaufen dauerte etwas länger und war sehr anstrengend.
Im Kaufpark selbst wuselten die Leute später ohne Sinn und Verstand umeinander, die Eisdiele hatte ihren Verkauf eröffnet und so sah ich Senioren, die selig ihr Eis schleckend durch die Menge schlenderten, Maske an einem Öhrchen baumelnd …
Ich war ehrlich froh, als wir diesen Hort der Unvernunft verlassen konnten. Das mache ich so schnell nicht wieder, fühlte mich hinterher total erschöpft davon, auf alles ein Auge haben zu müssen, eins auf uns, eins auf die depperten Mitmenschen.

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